Historischer Arbeitskreis

in Ahrensburg  

Die Rantzaus in Ahrensburg

Die Grafen v. Schimmelmann

Die Nachkommen 

des Schatzmeisters

Schlösser, Stadtpalais

und ein Mausoleum

Dreieckshandel

Die Schimmelmannschen

Plantagen in der Karibik

H.C. Schimmelmann und

sein "Weißes Gold"

Der Schimmelmannsche  

Wirtschaftskreislauf

H.C. Schimmelmann

in seiner Zeit

Der letzte Schimmelmann

verlässt Ahrensburg

Hans Schadendorff

Alfred Rust 

    Geschichte des Gutshofs

    Geschichte des Marstalls

 

 

Dr. Alfred Rust, ein Leben für die Archäologie

Alfred Rust wurde am 4. Juli 1900 am Grindelhof in Hamburg geboren und besuchte die Volksschule an der Kieler Straße. Schon als Kind hatte er naturwissenschaftliche Interessen, streifte durch das Gelände und fand Gefallen an all den schönen Dingen, die Wiese, Feld und Wald für einen neugierigen Jungen bereithalten. Nach der Schule begann er eine Elektrikerlehre und machte nach vier Jahren seine Gesellen- und 1925 seine Meisterprüfung. 1918 wurde Alfred Rust zum Militärdienst eingezogen, bei den Pionieren ausgebildet und war noch bis zum Ende des 1. Weltkrieges an der Front in Frankreich eingesetzt.

Gleich nach dem Krieg wurde in Hamburg die Volkshochschule eingerichtet, und von Beginn an belegte Alfred Rust Kurse in Kunstgeschichte in der Kunsthalle und besuchte anschließend Kurse in Biologie, wofür er außerordentlich großes Interesse aufbrachte. Zur gleichen Zeit lief in Hamburg eine Vorlesungsreihe über Vorgeschichte unter der Leitung von Prof. Dr. Gustav Schwantes, er war Ordinarius an der Kieler Universität. Prof. Schwantes sollte im späteren archäologischen Leben von Alfred Rust noch eine bedeutende Rolle spielen.

Vier Jahre lang besuchte er die Vorlesungen von Schwantes und kam hier erstmalig und intensiv durch diesen hervorragenden Lehrer in Berührung mit den verschiedenen Abläufen der Menschheitsgeschichte besonders denen in der engeren Heimat wie etwa der geologischen Entwicklung, den diversen Steinzeiten und der Bronze- und Eisenzeit. Besonders interessiert aber war er an der älteren Zeit, z.B. an den Werkzeugen der Neandertaler, die es aber in unseren Breiten nicht gab. Als alter „Wandervogel“ besuchte er nun in den Ferien mit Zelt und Fahrrad alle möglichen Museen in Deutschland, Osterreich, der Schweiz und Italien auf der Suche nach Spuren der Urbevölkerung unseres Kontinents.

Letzten Endes aber befriedigte ihn diese Spurensuche nicht, und so träumte er von einer Reise in den Vorderen Orient, um etwa in den Randzonen der Wüstenregionen Syriens nach Beweisen über die Anwesenheit von Neandertalern zu forschen. Mit einem Freund zusammen begann die abenteuerliche Fahrradtour am 1. September 1930 und dauerte ganze acht Monate.

Die Kenntnisse jedoch, die Alfred Rust während der Grabungen im syrischen Jabrud erwarb, waren außerordentlich hilfreich bei seiner späteren Suche nach Spuren des eiszeitlichen Menschen im nordeuropäischen Raum. Er war schon vor seinen Orientreisen hin und wieder auf Flintwerkzeuge gestoßen, für die er aber keine zuverlässige Erklärung fand. Eines Tages zeigte man ihm mehrere Werkzeuge, die unter einer umgebrochenen Baumwurzel von einem Schüler in Wellingsbüttel gefunden wurden. Er erinnerte sich an ähnliche eigene Funde in der Nähe des Ahrensburger Stellmoorhügels und fuhr dorthin. Die bisherige Wiese war umgepflügt worden und zu seiner großen Freude fand er an einem einzigen Tag auf dem Gelände rund 500 Werkzeuge der schönsten Art. Von diesen Werkzeugen glichen einige denjenigen vom Alstertal. Er schickte einige von diesen Typen nach Kiel an Prof. Schwantes und meinte dazu, dass diese eiszeitlich sein müssten. Schwantes war nicht abgeneigt, diese Meinung zu akzeptieren, aber es fehlten die Beweise dafür!

Nun hatte man auch an anderen Orten - wie z.B. in Dänemark,- solche oder ähnliche Flintwerkzeuge gefunden, aber die Datierung war ungenau oder sogar unmöglich. Wie aber kann man eine Altersbestimmung erreichen und diese auch sichern? Die Vermutung lag nahe, dass hier Menschen in einem Tal und wahrscheinlich am Rande eines Gewässers gewohnt oder sich aufgehalten hatten. Dieses Tal - das Ahrensburger-Stellmoorer-Tunneltal - war durch Auswaschung unter dem Eis der letzten

Eiszeit entstanden, die vor etwa 15.000 Jahren in diesem Gebiet endete.

Eine Idee ließ Alfred Rust nicht mehr los: Um eiszeitliche Kulturreste aufzufinden, musste man graben! Die Frage war nur, woher die nötigen Mittel und auch die erforderliche Zeit nehmen? Er war gerade von seiner dritten Reise aus Arabien zurückgekehrt und sein Chef drängte ihn, seine Tätigkeit als technischer Leiter der Werkstatt wieder aufzunehmen. Er hatte sich arbeitslos gemeldet und erhielt neun Mark Unterstützung pro Woche. Seine Mutter hatte großes Verständnis für seinen Forscherdrang und half ihm, soweit das bei ihrer kleinen Rente möglich war. Nach wie vor aber beherrschte ihn der Gedanke an das Tunneltal mit den möglichen Schätzen, die es zu heben galt. So fuhr er zunächst zum Geologischen Institut nach Hamburg und bat um einen Handbohrer, um damit und mit etwas Glück auf Bodenabsätze zu stoßen, in denen er eiszeitliche Knochen und Geweihreste zu finden hoffte. Die Geologen amüsierten sich über sein Vorhaben und meinten: Den Bohrer können Sie trotzdem haben.

Er begann nun im Febr. 1933, den 3 m langen Bohrer am alten Fundplatz (spätere Benennung: Meiendorf 2) durch die Torfschicht in den Sand zu stoßen und nach dem Herausziehen die Torf- und Sandanteile durch einen Schlitz in der Bohrstange zu kontrollieren. So ging er Schritt für Schritt weiter und stieß nach ungefähr 25 m von seinem Fundort entfernt in ca. 2,30 m Tiefe auf abgesetzten grünfarbigen Schlamm. Seine Überraschung war groß, als weitere Bohrungen eine Schlammtiefe von mehr als 4 Metern ergaben. Diese sogenannte Gyttjaschicht war der Beweis dafür, dass Alfred Rust einen 4 m tiefen Teich entdeckt hatte, der vermutlich noch aus der Eiszeit stammen könnte. Niemand aber glaubte seiner Theorie von dem eiszeitlichen Teich und den Tierresten, die sich noch darin befinden müssten. Nach diesen Bodenuntersuchungen musste er im Frühjahr 1933 seine 4. Arabienreise antreten und schrieb während dieser Zeit stets voller Begeisterung an Schwantes und andere über die Geweihe, Harpunen und Knochen, die man dort herausholen sollte, was diese immer mit hu­morvoller Freude über seinen Optimismus zur Kenntnis nahmen.

Als Alfred Rust von dieser Reise zurück war, begann er im Herbst 1933 mit einer Probegrabung, meldete sich wieder arbeitslos und fuhr jeden Tag mit dem Rad nach Ahrensburg und zurück. Eine Unterstützung von irgendwelchen Institutionen erhielt er nicht, weil niemand an einen Erfolg glaubte. Der Einsatz aber, für ein Nichts drei Monate zu suchen und zu graben, gehörte zu seinen schönsten Lebenserinnerungen. Nicht der Gedanke an die Möglichkeit hier etwas zu verdienen, sondern die reine Freude an der Forschung waren sein Motiv und der Gedanke, solche Dinge für Nordeuropa und für seine Heimat zu erschließen.

 Auf Veranlassung von Prof. Schwantes erhielt er schließlich Hilfe durch sechs junge Männer vom Freiwilligen Arbeitsdienst, die damals keinen Pfennig kosteten. So konnte die Grabung Meiendorf kostenfrei durchgeführt werden. Diese Mitarbeiter gingen mit großem Elan an die Arbeit, gruben sich durch Torf und Sand und kämpften täglich gegen das Grundwasser an. Nach drei Monaten aber wurden sie etwas mutlos und verstanden die Schinderei nicht mehr so recht. Alfred Rust blieb Optimist und glaubte an den Erfolg! Eines Tages stieß einer seiner Helfer (Schmielegger aus Ahrensburg) im Triebsand auf etwas Hartes. Rust dachte an Reste einer alten Baumwurzel, ließ sie herausziehen und nach oben werfen. Die Überraschung wer perfekt, als sich das abgebrochene Stück Holz als ein kleines Geweihstück entpuppte. Mit einem Satz sprang Alfred Rust in die Grube, versank bis zu den Knien im Wasser und versuchte nun vergeblich, den Rest herauszuziehen. Aber es war viel zu groß und bewegte sich nicht. Er machte nun mit den Händen das Umfeld etwas frei und bat seine Männer um Hilfe. Alle umfassten sich dann, zogen mit einem Ruck gemeinsam und fielen rücklings in den Schlamm. Aber Alfred Rust hatte ein riesiges, eiszeitliches Rentiergeweih von 1,50 m Länge in den Händen. Das Geweih befand sich in einem hervorragenden Zustand und war in Art und Technik so bearbeitet, wie diese nur in der Eiszeit in Gebrauch waren. Die Freude über diesen Erfolg war riesengroß, und der Jubel der Männer wollte kein Ende nehmen!

Mit diesem ersten Fund in tieferen Schichten war nun ganz klar bewiesen, dass auch die vorher auf der Erdoberfläche entdeckten

Flintwerkzeuge der Eiszeit zugeordnet werden konnten, somit war auch der erste Rentierjägerplatz in Nordeuropa entdeckt und der Nachweis erbracht, dass hier schon vor wenigstens 13.000 Jahren eiszeitliche Bewohner gelebt haben. Am nächsten Morgen standen Prof. Schwantes und der Geologe Prof. Gripp mit Rust zusammen an der Grube und fühlten sich wie Beschenkte zu Weihnachten, wenn die Männer vom Arbeitsdienst immer wieder in Grabungswand oder Schlamm griffen, um eiszeitliche Kultur-reste hervorzuzaubern. Aus diesem Grabungsfeld wurden in dieser Zeit noch etwa 4.000 eiszeitliche Knochen und Geweihstücke geborgen. Im Anschluss an diese erste Grabung wurden wegen der Altersbestimmung pollenanalytische, geologische und später nach dem Kriege auch Untersuchun­gen nach der C-14 Methode vorgenommen.

Ein großes Problem im gesamten Grabungsgebiet war das Grundwasser. Zuerst benutzte man Eimer zum Ausschöpfen, dann behalf man sich mit einer geliehenen Handpumpe, die stundenlang bewegt werden musste. Schließlich aber gelang es, zwei Pumpen mit Dieselmotoren einzusetzen, um den Grundwasserspiegel abzusenken. Damit waren die alten Übel - Triebsand und Wasser - unter Kontrolle und erlaubten das Arbeiten in trockenem Sand.

Nach Abschluss der Grabung in Meiendorf 2 erhielt Alfred Rust finanzielle Unterstützung und begann 1934 mit der Untersuchung des Ahrensburger Stellmoorhügels, weil auch hier immer wieder Flintwerkzeuge gefunden wurden. Unter Mithilfe von nunmehr 20 Arbeitsdienstmännern wurde ein Suchgraben angelegt und nach vierwöchiger Arbeit die ersten Knochen gefunden. Nach dem Ausheben und der Auswertung dieses ersten Suchgrabens unterhalb des Hügels und nach Anlage eines zweiten Grabens kam Alfred Rust zu der Auffassung, dass hier noch mindestens 1.000 Stück Rengeweihe und 20.000 Knochen liegen müssten. Nach Ende einer Großgrabung 1935/36 haben sich diese Schätzungen bestätigt. Er nahm an, dass sich in diesem Gebiet am Stellmoorhügel noch heute rund 10.000 Ge­weihe, Knochen, Holzteile und ähnliche Dinge befinden.

Alfred Rust hat die Fundplätze niemals ganz ausgeräumt, sondern darauf vertraut, dass spätere Generationen mit moderneren Methoden zu besseren Ergebnissen kommen könnten, als sie zu der Zeit möglich waren. Während man in Meiendorf 2 Werkzeuge der „Hamburger Kultur“ entdeckte, fanden sich in Stellmoor Artefakte der „Hamburger-“ sowie der späteren „Ahrensburger Stufe", die in Gestaltung und Bearbeitung zum Teil unterschiedlich gefertigt sind. Bei diesen Grabungen in Stellmoor wurde auch der Kultpfahl gefunden, der Später Eingang in das Ahrensburger Wappen fand. Fast sensationell war das Auffinden von etwa 100 Holzpfeilen vielleicht die bisher ältesten der Menschheitsgeschichte? Im Schlamm des verlandeten Gewässers am Stellmoorhügel wurden auch zweijährige, weibliche Reste von Rentieren gefunden, die mit Hilfe von schweren Steinen im Brustkorb versenkt wurden. Nach Meinung von Rust sollte es sich hierbei um geopferte Tiere handeln. Unendlich viele Waffen und Flintwerkzeuge wurden geborgen, die den unterschiedlichsten Zwecken dienten und dem jeweili­gen Bedarf angepasst waren.

Im Laufe der Zeit wurden rund um das Tunneltal über 300 Bohrungen niedergebracht und eine Reihe von Probegrabungen durchgeführt, um weitere Wohnplätze aufzufinden. Das gelang auch an einigen Stellen, wie 1937/38 am Pinnberg. Hier konnte Alfred Rust mehrere Kulturschichten von der frühen mittleren bis zur jüngeren Steinzeit nachweisen. Außerdem fand er Hüttengrundrisse aus der Mittelsteinzeit und drei Körpergräber mit Beilbeigaben, ebenfalls aus dieser Zeit.

Bei allen Erfolgen aber blieb eine Frage im­mer offen: wie haben diese Leute der eis­zeitlichen Epoche eigentlich gewohnt? Felshöhlen o.ä. gab es in unserem Gebiet nicht. Die damalige Tundra bot für den Bau von Hütten kein Holz und so konnte nur vermutet werden, dass möglicherweise transportable Zelte benutzt worden sind. Aber wie sollte man nach so langer Zeit noch Zeltreste oder Hinweise auf Zeltplätze finden?

Alfred Rust hat 15 Jahre lang nach solchen Behausungsresten gesucht, und tatsächlich gelang es, am Borneck (Nähe U-Bahnhof Ost) und in der Poggenwisch (südl. Stellmoor) Zeltreste dieser eiszeitlichen Menschen aufzufinden. Voraussetzung war eine unzerstörte Oberfläche, unter der Steinlagen den Rand der Zeltwände andeuten. Die Rentierjäger legten große Steine im Kreis auf den Rand der Zeltwände aus gegerbtem Rentierleder, um diese gegen Sturm zu schützen. Ferner wurden große Steine herangewälzt, um den Lederriemen, die mit den Zeltstangen von außen verbunden waren, festen Halt zu geben. Die Zeltstangen die ja nicht sehr kräftig zu sein brauchten - hatte man aus dem Winterquartier auf monatelanger Wanderung mitgebracht. Durch Auffinden der Steinkränze, die zeitringartig gruppiert waren, konnte Alfred Rust davon ausgehen, die Uberreste jungpaläolithischer Zeltgrundrisse entdeckt zu haben. So fand er Reste von Sommerzelten am Borneck und auf dem Gebiet Poggenwisch. Erstmalig konnte er auch die Umrisse eines Winterdoppelzeltes bestimmen nach der Art der Zelte der Karibujäger in Kanada. In Ahrensburg wird diese Behausung Jägern der Federmessergruppe zugeordnet. Mit der Entdeckung dieser Zeltplätze hatte Alfred Rust den täglichen Lebenslauf dieser Leute voll erschlossen. Man wusste, wie sie gejagt hatten, welche Jagdwaffen sie benutzten und womit und wie sie diese hergestellt hatten und warum die einzelnen Feuerstein-Werkzeuge so oder anders geformt waren. Man konnte an in Knochen eingeschossenen Pfeilspitzen erkennen, welcher Art diese waren, man hatte Messer, Bohrer, Kratzer, Stichel und viele bis dahin unbekannte Werkzeuge gefunden und wusste nun auch von den transportablen Zelten. Alle diese Erkenntnisse gaben Alfred Rust die Möglichkeit, das Leben der Rentierjäger in ihrem 24-stündigen Tagesablauf zu erschließen.

Auch nach dem 2. Weltkrieg wurden unter der Leitung von Alfred Rust bzw. durch seine Anregungen weitere Grabungen im Tunneltal durchgeführt. Als Resultat kam er zu der Erkenntnis, dass im Bereiche dieses Gebietes mit mehr als 50 eiszeitlichen

Lagerplätzen zu rechnen sei.

In der Vorgeschichtsforschung nimmt Alfred Rust als autodidaktischer Wissenschaftler einen hervorragenden Rang ein und wurde wegen seiner außergewöhnlichen Leistungen vielfach geehrt. So wurde ihm 1940 von der Philosophischen Fakultät der Universität Kiel die Ehrendoktorwürde verliehen und 1942 habilitierte er sich in Kiel mit der Arbeit „Die alt- und mittelsteinzeitlichen Funde von Stellmoor“. Seit 1939 bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahre 1965 war Alfred Rust als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Forschungsaufträge beim Landesamt für Vor- und Frühgeschichte von Schleswig-Holstein angestellt.

Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften wurden ihm verliehen und würdigten seine Forschungsarbeiten:

1937  Ehrenmitglied des Naturwissenschaftlichen Vereins,

 Hamburg.

1942  Korrespondierendes Mitglied des Instituto ltaliano di

 Paleontologia Umana, Rom.

1953  Mitglied der Joachim-Jungius-Gesellschaft der

 Wissenschaften, Hamburg

1955  Mitglied der Leopoldina, Deutsche Akademie der

 Naturforscher, Halle.

1957  Korrespondierendes Mitglied des Instituto Italiano di 

 Preistoria e Protoistoria, Florenz.

1958  Korrespondierendes Mitglied des Deutschen

 Archäologischen Instituts, Berlin.

1965  Ehrenmitglied der Universität Köln.

1967  Verleihung der Albrecht-Penck-Medaille der Deutschen

 Quartär-Vereinigung.

1970  Korrespondierendes Mitglied der Philosophisch-

 Historischen Klasse der Heidelberger Akademie der

 Wissenschaften.

Dr. Alfred Rust wurde 1965 Ehrenbürger seiner Heimatstadt Ahrensburg.

Die frühere Realschule am Wulfsdorfer Weg wurde nach Alfred Rust benannt, heute trägt nur noch der Festsaal der Integrierten Gesamtschule seinen Namen.

Im Ahrensburger Rathaus erinnert eine Büste von dem Bildhauer Jürgen Block an Alfred Rust.

Die in 35jähriger Arbeit erschlossenen und in großen Publikationen niedergelegten Ergebnisse seiner Arbeit sicherten Ahrensburg für den endeiszeitlichen Kulturabschnitt der Menschheitsgeschichte einen hervorragenden Platz in der internationalen Literatur.

Alfred Rust verfasste, neben etlichen wissenschaftlichen Arbeiten, eine Reihe von populärwissenschaftlichen Werken.

Er wurde mehrfach für eine Professur vorgesehen, doch es wurde jeweils abgelehnt. Ein Grund war sicher, dass er keine Vorlesungen halten, sondern lieber im Feld arbeiten wollte.

Zu seinem Lebensweg wäre noch zu berichten, dass er 1934 Olga Martens heiratete und 1934 sein Sohn und 1938 seine Tochter geboren wurden. Anfang 1934 baute er für sich und seine Familie ein Haus in der Straße Am Rehm, unmittelbar am Rande „seines Tunneltales“. Dieses Haus wurde in den folgenden Jahren mehrfach erweitert.

Ein außerordentliches Talent entwickelte er als Hobbymaler, eine Kunst, die er sich selber aneignete. seine Fähigkeit zeigt sich ganz deutlich an den von ihm gemalten Gemälden und Bildern, besonders aber an den akribisch ausgeführten Zeichnungen der Grabungsstellen und der von ihm gefundenen Artefakte.

Aus Liebe zur Natur und im Hinblick auf die besondere geomorphologische Bedeutung des Gebietes Tunneltal / Hagen setzte sich Alfred Rust mehrfach für die Erhaltung des schönen Waldgebietes ein. So z.B., dass nach Aufteilung des Schimmelmannschen Besitzes 1935 keine Straßen vom Rehm ausgehend mitten durch den Hagenwald gebaut wurden. Mit Vehemenz und persönlichem Einsatz verhinderte er mit gleichgesinnten Ahrensburgern 1969 / 70 den Bau von mehreren zwölfstöckigen Wohnblocks am Hagen. 

Bis ins hohe Alter hinein blieb Alfred Rust aktiv! Er beteiligte sich an Bürgerinitiativen, die der Erhaltung des Ahrensburger Stadtbildes dienten, und brachte in Vorträgen und Führungen das archäologische Geschehen um Ahrensburg seinen Zuhörern und mit besonderer Freude den Kindern nahe.

Dr. Alfred Rust starb am 14. August 1983 und fand seine letzte Ruhe auf dem Ahrensburger Waldfriedhof.

 

Klaus Wrieden

© Historischer Arbeitskreis Ahrensburg 

Januar 2007 

 

 

Quellen / Literatur:

Stadtarchiv Ahrensburg

Alfred Rust: Vor 20000 Jahren